Micro-Tuning und MIDI Out

Anfänger trifft Fortgeschrittene; hier kann man nur ganz einfache Einsteigerfragen stellen

Moderator: herw

Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon Berlin Heritage » Fr 8. Nov 2013, 06:30

Hallo, liebes Forum,

ich habe mich bei Euch neu angemeldet, weil ich mich - nach einiger Zeit des Reaktorspielens - auch selbst programmiertechnisch betätigen will.

Dazu gleich ein Problem, dass ich ohne fremde Hilfe nicht lösen kann.

Ich möchte ein reines MIDI-Tool bauen, das es ermöglicht, die zwölf Halbtöne (C, C#, D, D#,... H) unabhängig von den Oktavlagen feinzustimmen, also Micro-Tuning zu betreiben. Die Feinstimmung muss im Cent-Bereich erfolgen.

Letztendlich will ich, dass man mit diesem MIDI-Tool einen beliebigen nachfolgenden Synthesizer in historischen Stimmungen (Werckmeister, mitteltönig etc.) spielen kann, wobei das Micro-Tuning ruhig nach Gehör eingestellt werden kann.

Ich habe schon versucht, in Reaktor mit diversen MIDI-Ein- und Ausgängen zu schalten, habe aber nirgends auch nur annähernd Land gesehen. Vor allem ist mir nicht klar, ob man überhaupt solche Micro-Tuning-Werte auf einen MIDI-Ausgang legen kann. Wenn überhaupt, wird das wohl nur mit Pitchbend-Daten gehen (wobei dann jeder nachfolgende Synth anders darauf reagiert - deswegen auch das Einstellen nach Gehör).

Über anregende oder vertiefende Beiträge bin ich sehr erfreut! :-)

Liebe Grüße aus Berlin von

Robert!
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon herw » Fr 8. Nov 2013, 08:53

Berlin Heritage hat geschrieben:[…]
Ich möchte ein reines MIDI-Tool bauen, das es ermöglicht, die zwölf Halbtöne (C, C#, D, D#,... H) unabhängig von den Oktavlagen feinzustimmen, also Micro-Tuning zu betreiben. Die Feinstimmung muss im Cent-Bereich erfolgen.

Letztendlich will ich, dass man mit diesem MIDI-Tool einen beliebigen nachfolgenden Synthesizer in historischen Stimmungen (Werckmeister, mitteltönig etc.) spielen kann, wobei das Micro-Tuning ruhig nach Gehör eingestellt werden kann.

Ich habe schon versucht, in Reaktor mit diversen MIDI-Ein- und Ausgängen zu schalten, habe aber nirgends auch nur annähernd Land gesehen. Vor allem ist mir nicht klar, ob man überhaupt solche Micro-Tuning-Werte auf einen MIDI-Ausgang legen kann. Wenn überhaupt, wird das wohl nur mit Pitchbend-Daten gehen (wobei dann jeder nachfolgende Synth anders darauf reagiert - deswegen auch das Einstellen nach Gehör).

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Robert!

Hallo Robert,
:willkommen:
vorweg: ich beschäftige mich ausschließlich mit REAKTOR-Instrumenten, daher bin ich auf diesem Gebiet (externe Midiansteuerung) nur Laie.
Das MIDI-out-Modul sendet nur mit 7bit Auflösung nach außen, wenn ich richtig recherchiert habe. Pitchbend-out (14-bit) ist immer nur monophon, das nützt dir also nichts, da ich mal annehme, dass du polyphon arbeiten möchtest.
Ein kurzer Überblick im Handbuch liefert auch keine Beispiele, im englischen Forum auch nur für REAKTOR-Instrumente.
Ich denke, dass die empfangende Hardware der Schlüssel ist. Denn das Midi-Gerät muss ja erst mal in der Lage sein, ein solches Finetuning intern zu verarbeiten. Mir fallen spontan dazu die YAMAHA DX-Geräte ein, bei denen man intern eine Midi-Note Umprogrammierung vornehmen kann (konnte). Gute Masterkeyboards haben wohl auch diese Eigenschaft (z.B. MIDIBOARD von Kurzweil).
Aber ein sinnvoller Ansatz liegt nicht bei REAKTOR oder einem Masterkeyboard sondern bei der empfangenden Hardware.
REAKTOR selbst z.B. hat intern mit einer höheren Auflösung überhaupt keine Schwierigkeiten, da kannst Du jede dieser Stimmungen locker verarbeiten. Also kannst du wohl nur in das Handbuch der entsprechenden Hardware schauen und hoffen, dass man dort umprogrammieren kann.

Hier habe ich noch Links gefunden, vielleicht schaffen die etwas mehr Klarheit (?):
http://www.csounds.com/journal/issue12/ ... board.html
http://www.midi.org/techspecs/midituning.php

ciao herw
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon Berlin Heritage » Mo 11. Nov 2013, 20:32

Hallo Herw,

die Aufspaltung zwischen MIDI-Sender und -Empfänger in Bezug auf Microtuning via Pitchbend kenne ich. Jeder Klangerzeuger reagiert unterschiedlich empfindlich auf Pitchbend-Daten. Deshalb möchte ich keine definierten Skalen haben, sondern 12 "Potis", mit deren Hilfe ich nach Gehör einen beliebigen Klangerzeuger stimmen kann. Der Regelbereich der "Potis" muss in einem - noch überlebenswerten - sinnvollen Rahmen liegen.

Allerdings möchte ich keine externe Hardware damit ansteuern, sondern andere, nachfolgende Plugins. Insofern erübrigt sich eine Betrachtung der Hardware; es geht (nur) um das Weiterreichen der Pitchbend-Mictrotuning-Daten an das nachfolgende Plugin in der Signalkette.

Ich habe so etwas schon einmal mit Reaktor probiert; das ist ein Ensemble, dass aus beliebigen gespielten Tasten stets die unterste gedrückte Taste heraussucht (lowest note priority) und sie auf einem zweiten MIDI-Kanal ausgibt. Dabe habe ich auch eine Besonderheit von Reaktor kennen gelernt: Reaktor gibt keine MIDI-Daten aus, wenn nicht zumindest ein Oszillator - stumm geschaltet - im Ensemble vorhanden ist.

Eine andere Frage für mich ist: Mit welcher Logik schaffe ich es, die 128 existierenden Tasten ("note" von 0 bis 127) beim Spielen so abzufragen, dass jeweils alle C, C#, D, D#,... durch sämtliche Oktavlagen mit demselben Pitchbend-Wert versehen werden?

Viele Grüße von

Robert!
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon electrolurch808 » Di 12. Nov 2013, 01:54

Hallo Robert, zu deiner letzten Frage kann ich vielleicht helfen. Bei den mitgelieferten Reaktor Instrumenten befindet sich im Ordner Factory, Ensembles, Classics, Synthesizer das Sum Synth Ensemble. Hier gibt es einen Scale Panel welches individuell jeden der zwölf halbtöne über die gesamte Klaviatur transponiert. Die ganze Logik befindet sich in Sum Synth, Pitch und Polyscale und wird mit einem Modulo und Multiplex Modul bewerkstelligt. Sehr Elegant, wäre ich mit meinem Kleinhirn nie drauf gekommen. Hoffe es bringt Dich weiter. Lieben Grusss. Michael
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon wehkah » Mi 13. Nov 2013, 12:34

hier ein altes Ensemble aud der UL - http://co.native-instruments.com/index. ... atchid=200
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon herw » Mi 13. Nov 2013, 18:27

Das Problem ist nach wie vor: wie bekommt man dieses Microtuning aus REAKTOR heraus in einen externen Software-Synthesizer hinein.
Das kann REAKTOR meiner Ansicht nach nicht leisten. Also ist die Alternative die Host-Software. Logic Pro hat dafür ein eigenes Tool.

Nochmals die Frage: ist eine externe Ansteuerung durch REAKTOR gewünscht?

ciao herw
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon Berlin Heritage » Do 14. Nov 2013, 21:47

@ electrolurch808: Danke für Deinen Hinweis! Ich kannte das Instrument schon, leider ist es nicht das, was ich suche, da hier nur über Halbtöne transponiert wird. Microtuning, also das Stimmen im Cent-Bereich, ist da nicht vorgesehen.

@wehkah: Vielen Dank - den kannte ich noch nicht! Ganz blicke ich durch das recht einfach programmierte Macro noch nicht durch; ich glaube, es geht um Verstimmung des Audio-Signals, nicht um MIDI-Daten, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber ich behalte das Ding im Auge und nehme es demnächst kräftig auseinander. Vielleicht sollte ich auch mal den Programmierer befragen.

@herw:

Das Problem ist nach wie vor: wie bekommt man dieses Microtuning aus REAKTOR heraus in einen externen Software-Synthesizer hinein.


Indem man auf jede gedrückte Taste c, c#, d, d#,… h, unabhängig von der Oktavlage, einen definierten Pitchbend-Wert addiert. Wie das angesprochene Synth-Plugin darauf reagiert, ist Sache dieses Plugins. Hier muss man die Pitchbend-Werte nach Gehör einstellen.

Nochmals die Frage: ist eine externe Ansteuerung durch REAKTOR gewünscht?


Nein - es geht um Reihenschaltung zweier Plugins. Der MIDI-Out von Reaktor geht in den MIDI-In eines Synth-Plugins. Die Note-On-Werte werden durch Reaktor geleitet, aber mit den eingestellten Pitchbend-Werten zusätzlich versehen.

Das kann REAKTOR meiner Ansicht nach nicht leisten. Also ist die Alternative die Host-Software. Logic Pro hat dafür ein eigenes Tool.


Um welches Tool handelt es sich?

Viele Grüße von

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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon herw » Fr 15. Nov 2013, 06:50

Berlin Heritage hat geschrieben:[…]
herw hat geschrieben:Das kann REAKTOR meiner Ansicht nach nicht leisten. Also ist die Alternative die Host-Software. Logic Pro hat dafür ein eigenes Tool.

Um welches Tool handelt es sich?
Viele Grüße von
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Du findest das in Logic Pro X (Logic Pro ebenfalls) unter dem Menupunkt „Ablage/Projekteinstellungen/Stimmung”:
Microtuning.jpg
Microtuning.jpg (211.53 KiB) 3427-mal betrachtet

ciao herw
PS: eine Steuerung eines PlugIns (also nicht ein REAKTOR-internes Ensemble) ist auch eine externe Ansteuerung, d.h. die Mididaten müssen aus REAKTOR heraus, daher mein Vorschlag mit dem Umweg über einen Host.
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon Berlin Heritage » Fr 15. Nov 2013, 19:32

herw hat geschrieben:Du findest das in Logic Pro X (Logic Pro ebenfalls) unter dem Menupunkt „Ablage/Projekteinstellungen/Stimmung”


Herw, Du bist genial! :o

Ich habe die Einstellung zuerst nicht gefunden. Um historische Stimmungen zugänglich zu machen, aktiviert man in den normalen Programmeinstellungen von Logic Pro X (erreichbar unter "cmd" + ",") unter dem Punkt "Erweitert" zuerst den Punkt "Erweiterte Werkzeuge einblenden" und dann ganz unten "Erweiterte Bearbeitung". Dann werden nämlich auch die historischen Stimmungen unter "Ablage-Projekteinstellungen-Stimmungen" eingeblendet!

Perfekt - da brauche ich kein Reaktor-Ensemble mehr für und Logic Pro X hat bei mir wieder einen Sympathiepunkt mehr dazuverdient!
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon wehkah » Sa 29. Mär 2014, 15:10

MIDI ist scheinbar nicht für Microtuning ausgelegt, die Möglichkeiten sind Sysex und Pitch Bend. Wieso unterstützen die Synths eigentlich kein OSC? Gut das es Reaktor gibt ;) !

MIDI and Microtonal Scales:

While the MIDI standard does not recognize microtuning - it assumes only 12-tone equal tuning - there are two work around ways to achieve microtonal tuning on MIDI instruments. One is through use of System Exclusive tuning tables that are internal to the synthesizer, and the other is to send MIDI Pitch Bend information with each note. There are advantages and disadvantages to each method.

The advantage of internal tables is you only have to send the System Exclusive table information, then you send notes normally. The main disadvantage of System Exclusive tuning tables is that each manufacturer uses a different format, and different synths have different tuning table capabilities, and many synths do not support tuning tables at all. This makes things especially difficult if you are using synths from different manufacturers.

The main disadvantage to using Pitch Bend is each simultaneous note, such as notes in a chord, must be assigned its own MIDI channel. Also, as there is more MIDI data being sent out there can be MIDI clogging issues with slower hardware. However almost all synths support Pitch Bend as well as some limited ability to set the Pitch Bend range; and once set all synths respond identically, so there is no problem in using different synths on the same piece.


http://algoart.com/help/artwonk4/MicroT ... rotone.htm

Gruß&Sonne
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Re: Micro-Tuning und MIDI Out

Beitragvon danielrast » Di 15. Jul 2014, 00:27

herw hat geschrieben:Du findest das in Logic Pro X (Logic Pro ebenfalls) unter dem Menupunkt „Ablage/Projekteinstellungen/Stimmung”:
Microtuning.jpg

ciao herw
PS: eine Steuerung eines PlugIns (also nicht ein REAKTOR-internes Ensemble) ist auch eine externe Ansteuerung, d.h. die Mididaten müssen aus REAKTOR heraus, daher mein Vorschlag mit dem Umweg über einen Host.

Hatte der Menüpunkt Stimmung nicht nur Auswirkung auf Logic interne Instrumente? Ist schon etwas her als ich das zuletzt ausprobiert hatte....

Daniel
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